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Jahresmedienkonferenz der SRG SSR idée suisse
vom 2. Juli 2002 in Bern
Referat Walter Rüegg, Direktor Schweizer Radio DRS
Die Leistungen der SRG SSR idée suisse für das schweizerische
Musikschaffen
Seit einiger Zeit stehen die Radioprogramme der SRG SSR idée
suisse, allen voran Schweizer Radio DRS, in der Kritik schweizerischer
Musikschaffender, zuwenig für sie zu tun. Aus diesem Grunde verlangen
sie eine gesetzlich festgelegte Quote für den Anteil an Schweizer
Musik in unseren Programmen.
Diese Forderung erstaunt uns, weil wir denselben Anspruch und dieselben
Interessen haben wie diese Kreise: Swissness. Diese ist ein wichtiger
Bestandteil unserer Strategie, und nota bene ist sie auch in den Namen
unserer Radio-Unternehmenseinheiten explizit festgeschrieben; unser
Name ist Programm, und wir pflegen ihn nach bestem Wissen und Gewissen.
Diese Kritik war für uns jedoch Anlass, eine Bestandesaufnahme
unserer Leistungen für das schweizerische Musikschaffen zu machen.
Dies geschah auf zwei Wegen: Einerseits erfassten wir die Quoten der
in unseren Programmen gespielten Schweizer Musik, anderseits trugen
wir zusammen, was wir an Qualitativem im Interesse des schweizerischen
Musikschaffens leisten.
Zu den Quotenanteilen der Schweizer Musik in den Radioprogrammen der
SRG SSR (vgl. Presserohstoff):
- Etwa 70% des schweizerischen Radiomarktes entfallen auf die deutsche
Schweiz. Dies ist der Markt, in welchem Schweizer Radio DRS tätig
ist. Hinsichtlich der Dauer der gespielten Musik haben die Titel von
Schweizer InterpretInnen und/oder AutorInnen einen Anteil von 19%;
derselbe Prozentsatz ergibt sich, wenn wir von der Zahl der gespielten
Titel ausgehen. Noch etwas höher sind die Quoten von Radio Rumantsch,
welches allerdings nur ein Programm ausstrahlt.
- In der Suisse romande beläuft sich die Quote der Schweizer
Musik auf 8% (Anzahl Titel) bzw. 9% (Sendezeit) in der Svizzera italiana
auf 5% (Anzahl Titel) bzw. 6% (Sendezeit). In ihrer Ausrichtung auf
Swissness unterscheiden sich SR DRS, RSR und RSI in keiner Weise;
wenn die Quoten im italienisch- und französischsprachigen Landesteil
das Niveau von SR DRS dennoch nicht erreichen, ist dies ein untrüglicher
Indikator für den begrenzten Fundus, der mit der Grösse
dieser Sprachregionen zu erklären ist. (Dieser Disparität
und den damit verbundenen Problemen begegnen wir wiederum auf der
Ebene Ausland - Schweiz).
- Die 3. Programme kommen hinsichtlich der "Schweizer Quote"
nicht an die 1. Programme heran -dies, obschon sich alle Musikredaktionen
von Schweizer Radio DRS mit den Schweizer Titeln intensiver beschäftigen
und diese gegenüber allen andern Titeln einen Bonus geniessen,
weil es weniger davon gibt und weil sie zu unserer Swissness beitragen.
Seit einer ersten Erhebung im April 2001 hat DRS 3 den Anteil der
Schweizer Musik an der Sendezeit von 5.5% auf 6.5% erhöht, und
die Anzahl der gespielten Titel ist von 5.6% auf 9.5% gestiegen. Dies
ist Ausdruck unseres unternehmerischen Willens, das schweizerische
Element in unseren Programmen noch weiter zu stärken.
Zwar liegt das Rendement von Schweizer Radio DRS bei fast 20% Schweizer
Musik. Quoten widerspiegeln die Leistungen der SRG SSR für das
schweizerische Musikschaffen jedoch nur unzu-reichend und sind deswegen
als Massstab bzw. als Leitgrösse völlig ungeeignet: Jenseits
aller Quoten, d.h. im qualitativen Bereich, erbringt die SRG SSR zugunsten
des schweizerischen Musikschaffens ausserordentlich viele und vielfältige
Leistungen (vgl. Presserohstoff):
- spezielle Musiksendungen (regelmässige Sendungen und ausserordentliche
Events)
- Informationssendungen über das schweizerische Musik- und Kulturschaffen
- Thematisierung des schweizerischen Musikschaffens in vielen Sendegefässen
- Übertragungen von Konzerten und Festivals in der Schweiz
- Durchführung eigener Musik-Anlässe
- Unterstützung der Organisatoren von Events im Bereich der
Musik und der Kultur
- Produktionen und Koproduktionen vieler schweizerischer Werke
- Aktive Beiträge zur Förderung der schweizerischen Musikproduktion
- Erhebliche finanzielle Aufwendungen für das schweizerische
Musikschaffen (z.B. AutorInnen-rechte)
- Weiterverbreitung schweizerischer Werke im Ausland via die UER
- Mitgliedschaft in zahlreichen Institutionen zur Förderung
des schweizerischen Musikschaffens
- Schweizer KünstlerInnen erhalten in vielen Sendungen eine
Plattform, um sich und ihr Schaffen darzustellen.
Dies zeigt deutlich:
- Die Leistungen für das schweizerische Musikschaffen entsprechen
bei der SRG SSR der gelebte Praxis und ihrer Strategie der Swissness.
- Diese Leistungen gehen weit über das in Quoten Fassbare hinaus.
D.h. Quotenvorgaben als Steuerungs- und Kontrollgrössen erfassen
die Leistungen der SRG SSR zugunsten des schweizerischen Musikschaffens
nicht adäquat.
- In der französischen und italienischen Schweiz würde
der Musik-Fundus für eine Quote von beispielsweise 20% bei weitem
nicht ausreichen.
- Die Radios in Frankreich kennen eine Quoten-Regelung. Allerdings
bezieht sich diese nicht auf das Kriterium "Made in France"
- solcher Protektionismus wäre wohl undenkbar, sondern auf den
Anteil Musik in französischer Sprache, dies kann auch Musik aus
der Schweiz, aus Kanada, aus afrikanischen Ländern etc. sein!
Was aber wäre in diesem Sinne schweizerische Musik? Wäre
es französische, rätoromanische, italienische und schweizerdeutsche
- und was würde dies z.B. für die zahlreichen englischen
Titel bedeuten? Wie viel schweizerdeutsche und rätoromanische
Musik müsste dann in der Suisse romande und der Svizzera italiana
gespielt werden, wie viel französische, italienische und rätoromanische
bei Schweizer Radio DRS?
Daraus schliessen wir:
- Eine Politik der Quoten ergäbe ein falsches Bild der Leistungen
der SRG SSR für das einheimische Musikschaffen, und deren Handhabung
würde sehr rasch auf glattes Eis führen. Quotenvorgaben
sind ein ungeeignetes Steuerungsinstrument.
- Ein wichtiges Element der Strategie der SRG SSR ist die Swissness,
d.h. unsere Intentionen zielen in dieselbe Richtung wie diejenigen
des schweizerischen Musikschaffens, und dass wir auch danach handeln,
hat die vorgelegte Bestandesaufnahme gezeigt. Quotenvorgaben
sind deshalb unnötig.
- Hinzu kommt ein wichtiger staatspolitisch-rechtlicher Aspekt: Eine
präzise Vorgabe des Gesetzgebers widerspräche der grundrechtlich
geschützten Autonomie, über welche Radio- und Fernsehveranstalter
verfügen und welche nicht durch übermässige staatliche
Reglementierung beeinträchtigt werden darf. Quotenvorgaben
sind staatspolitisch höchst problematisch.
- Einen permanenten Dialog mit den schweizerischen Musikschaffenden
erachte ich jedoch als sinnvoll, und wir bieten den betreffenden Kreisen
an, den bereits laufenden Dialog fortzusetzen, um gemeinsame Interessenfelder
abzustecken und entsprechend zu handeln.
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