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Neuer Aufwind für Quotendebatte in Deutschland

So gehen unsere Nachbarn mit den Radios ins Gericht - Nachahmenswert?

(Swiss-Music-News) Die Debatte um einen angemessenen Anteil von einheimischen Produktionen und Neuheiten in den Radioprogrammen, der Streit also um die Umsetzung eines Kulturauftrages der öffentlich-rechtlichen Sender, hat nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland Tradition. Wie es scheint, geht dort nun die Post so richtig ab - auch auf politischem Parkett: In einer einzigartigen gemeinschaftlichen Initiative rufen die Dachorganisationen der deutschen Musikwirtschaft die öffentlich-rechtlichen Radiosender auf, eine 50:50-Quote für Neuheiten und deutschsprachige Titel einzuführen. Politiker unterstützen dies, namentlich der deutsche Staatsminister für Kultur und Medien.

Berichten zufolge werden die Sendeverantwortlichen von den Spitzenverbänden der Musikwirtschaft mit immer schärferen Worten an ihre Verpflichtungen erinnert. Der bekannte Kerngedanke, der ja auch für die Schweiz gilt: mehr Medienpräsenz der einheimischen Künstler und der Newcomer würde die Investitionen der Musikwirtschaft unterstützen sowie die künstlerische Kreativität fördern. Nach Ansicht der Verbände befindet sich eine derartige Quotenregelung im Einklang mit EU-Recht. Den Grund für die konzertierte Aktion nennt mediabiz.de: "Seit Monaten klagt die Musikbranche darüber, dass Radios ihre Trendsetter-Funktion verloren hätten. Statt Hits zu machen, spielten sie nur die Hits ab, so der Vorwurf. Bei ihrer Initiative stützt sich die Musikwirtschaft auf die Quoten-Erfahrungen, die seit 1994 in Frankreich gemacht werden. Inzwischen ist der französische Musikmarkt der einzige unter den führenden fünf Märkten weltweit, der auch in Zeiten der Konjunkturschwäche mit Zuwachsraten aufwarten kann."

Mehr Infos: http://www.musikwoche.de

Sieben Gründe für die Quote

Die Verbände der deutschen Musikwirtschaft haben in einer Erklärung sieben Gründe für eine Radioquote für musikalische Neuheiten und deutschsprachige Musik aufgeführt:
(Quelle: musikwoche.de)

1. Deutsche Musik kommt als Kulturgut zu wenig vor im Radio. Immer mehr dient Musik vor al-lem als "Abschaltbremse" zwischen den Werbezeiten. Die öffentlich-rechtlichen Sender vernach-lässigen hier ihren Kulturauftrag, der allein die Rundfunkgebühren rechtfertigt.

2. Deutsche Künstler kommen, obwohl es viele Musikaufnahmen gibt, einfach nicht in die Ra-dioprogramme. Zu wenig öffentlich-rechtliche Sender sind bereit, neuen Künstlern regelmäßig ausreichenden Raum zu attraktiven Sendezeiten zu bieten.

3. Früher waren Radiostationen musikalisch ambitioniert, hatten Trendsetter-Funktion und "machten" Hits. Viele Menschen kauften Platten, die sie vorher im Radio gehört hatten. heute hört man im Radio in aller Regel die Songs, die schon in den Charts sind und sich dadurch be-reits als erfolgreich erwiesen haben. Im Ergebnis fehlt die musikalische Breite. So heißt es heut-zutage immer öfter: "Wir machen keine Hits, wir spielen sie."

4. Es gibt kaum noch Musikredakteure. Statt dessen werden Musikeinsätze von Computerpro-grammen gesteuert. Die Musikauswahl wird durch Marktforschung auf Bekanntheitsgrad und "Abschaltfestigkeit" getestet.

5. Die Zunahme der Hörfunkprogramme in den letzten 15 Jahren hat nicht mehr Vielfalt ge-bracht, sondern nur viele Varianten des immer Gleichen. Die öffentlich-rechtlichen Sender ha-ben sich immer stärker dem Einerlei der Privaten angepasst, statt Breite und Qualität zu präsen-tieren.

6. Manche Radiostationen haben nur einige hundert Titel in der sogenannten "Rotation", die dann regelmäßig gespielt werden. Sie kommen mit extrem wenig "Material" aus, das bis zum Erbrechen wiederholt wird. Motto zum Beispiel: "Das Beste von heute und die Hits der 90er." Das Innovationspotential dieser Sender ist gleich Null.

7. Der Anteil des nationalen Repertoires an den Top 100-Single-Charts lag 2001 bei 35,5 Pro-zent, bei den Album-Charts bei 21,1 Prozent. Der Anteil deutschen Musikrepertoires muss ge-steigert werden!

Fazit: Radio diskriminiert heute junge deutsche Musik zu Gunsten internationalen Mainstreams und vernachlässigt damit seinen Kulturauftrag.

 

 
   
   
   
   
 
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