Musik ist
die erfolgreichste und verbreitetste Kommunikationsform des Menschen.
Deshalb ist sie auch die populärste Kunstgattung. Über Musik
kommunizieren wir mit anderen Menschen. Über Musik finden wir
zu uns selber. Musik schafft Identität - gerade in einem multikulturellen
Land.
Musik hat
in unserer Welt auch einen wichtigen ökonomischen Stellenwert.
Musik generiert weltweit Arbeitsplätze und Milliardenumsätze.
Eine lebendige,
lebensfähige Musikszene braucht das Zusammenspiel von Produktion,
Distribution, Promotion und Publikum. Dazu gehören begabte Komponisten,
innovative Produzenten, gewiefte Interpreten, engagierte Medien und
interessierte ZuhörerInnen.
Die Schweiz
verfügt über eine erstaunlich lebendige, erfolgreiche und
international respektierte Musikszene. Dennoch spiegelt sich diese
in den landeseigenen elektronischen Medien nur schlecht wider. Der
Anteil Schweizer Musik in den Radioprogrammen der Schweiz - ob bei
der "SRG SSR idée suisse" oder den kommerziellen
Privaten - ist deutlich niedriger als der entsprechende Anteil in
den Radioprogrammen anderer Länder.
Der Anteil
Schweizer Musik in den Radioprogrammen ist kleiner als der prozentuale
Anteil verkaufter Schweizer Tonträger. Offensichtlich zeigen
unsere Musikredaktionen wenig Interesse am helvetischen Musikmarkt.
Die "SRG
SSR idée suisse" ist in Sachen Schweizer Kultur besonders
gefordert, denn sie erhält für die Erfüllung ihres
Leistungs- und Kulturauftrages jährlich über eine Milliarde
Schweizer Franken. In ihrem Selbstverständnis spiegelt sich die
Vorstellung der "swissness": Programme von Schweizern für
Schweizer. Kultur ist die "raison d'être" des Service
public und wird auch so von der SRG kommuniziert.
Der Anteil
Schweizer Musik ist besonders niedrig in den Dritten Programmen, die
doch eine hiesige, moderne, jugendliche Hörerschicht erreichen
möchten. Die Gründe für diese Tatsache sind komplex.
Sicherlich ist auch hier das sprichwörtliche Desinteresse am
"Prophet im eigenen Land" anzuführen. Dennoch: Sind
die Redaktoren zu wenig an helvetischer Musikkultur interessiert?
Finden sie kaum mehr Zeit und Musse, sich mit der landeseigenen Produktion
zu befassen? Fehlen ihnen vielleicht die erforderlichen Kenntnisse?
Es ist viel einfacher, die Auswahl aufgrund der diversen Charts vorzunehmen
als sich selber ein Urteil zu bilden. Die Rezeption von Musik braucht
eine bestimmte Zeit, bis über Erfolg oder Misserfolg geurteilt
werden kann. Mit der gehandhabten "Mainstream-Mentalität"
macht man es sich nach unserer Auffassung zu einfach.
Dabei wäre
gerade Musik aus unserem Land - komponiert und interpretiert von Künstlern
aus allen Landesgegenden - ein verbindendes Element, "idée
suisse pur" so zusagen. Es würde einem Service-Public-Unternehmen
gut anstehen, das Thema "Schweizer Musik" auf seine Fahne
zu schreiben und damit zu seiner Sache machen.
Wie ist
diese Haltung zu ändern? Freiwillig wohl nicht - sonst hätten
die vielen Gespräche und Appelle der letzten Jahre etwas Grundsätzliches
bewirkt. Haltungsänderungen sind offensichtlich nur mittels gesetzlicher
Vorgaben zu erzielen, die einen überprüfbaren Erfolg bringen.
Eine dieser Vorgaben ist die Quotenregelung, so ungewohnt und fremd
diese auf den ersten Blick auch sein mag. Diesbezügliche Erfahrungen
in Kanada, Frankreich und Spanien sind durchaus positiv. Nach anfänglicher
Skepsis hat sich in diesen Ländern im Laufe der Zeit eine Haltungsänderung
ergeben; und man ist heute stolz darauf, dem einheimischen Musikschaffen
Auftrieb und einen neuen Stellenwert verliehen zu haben. Die Quote
ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden.
Denkbar
sind auch andere gesetzliche Regelungen wie die direkte Verknüpfung
der Gebührenzahlung mit der Erfüllung des Kulturauftrages.
Dies könnte heissen: Gebührengelder werden nur dann bewilligt,
wenn der (noch genauer zu definierende) Kulturauftrag erfüllt
wird. Sicher ist: Eine brauchbare und flexible Lösung im Rahmen
der Gesetzgebung ist notwendig - dies durchaus im Sinne der viel zitierten
"idée suisse".
Roy Oppenheim, Leiter Kommunikation SUISA