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Offener Brief an Walter Rüegg, Direktor Schweizer Radio DRS
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Wabern, 1. 9.2002
Sehr geehrter Herr Rüegg
Im April 02 publizierte der Verein «idée suisse - wir
wollen taten hören» die Info-Zeitung «radiomisere».
Die Reaktionen waren vielfältig. Unter anderem haben Sie die «SRG
SSR idéee suisse» in der Medienkonferenz vom 2. Juli gegen
die Vorwürfe verteidigt. Wir möchten es nicht unterlassen,
Ihre dortigen Ausführungen zu kommentieren.
Gemäss Ihrer Erhebung "Anteil Schweizer Musik an der ausgestrahlten
Musik insgesamt" betrug der CH-Anteil vom 27.5-2.6.02 bei SR DRS
insgesamt 19%. Wir halten fest: diese einwöchige Erhebung kann
nicht repräsentativen Charakter haben. Es gibt wenig Grund, an
der langjährigen Entwicklung, die wir anhand der SUISA-Angaben
1989-2000 aufgezeigt haben, zu zweifeln; umso mehr, als die SUISA-Zahlen
2001 bestätigen, dass einheimische Musik an Ihren Radioprogrammen
weiterhin auf tiefem Niveau dümpelt.

Besonders bedenklich scheint uns die Entwicklung bei Radio DRS3, das
2001 einen CH-Anteil von gerade mal 3.9% (gem. SUISA-Zahlen) verzeichnete.
Es erscheint uns beinahe zynisch, dass Sie die Steigerung des CH-Musikanteils
von 5.5% (April 2001 gem. SRG-Zahlen) auf 6.5% (Mai 2002 gem. SRG-Zahlen)
als "Ausdruck unseres unternehmerischen Willens, das schweizerische
Element in unseren Programmen noch weiter zu stärken" bezeichnen.
Wenn der unternehmerische Wille dieses Tempo beibehält, wird es
Jahrzehnte dauern, bis DRS3 angemessen einheimische Musik spielt.
Indes: Wer garantiert uns, dass der Anteil in ein paar Jahren nicht
wieder absackt? Konzepte werden bekanntlich oft und gerne geändert.
Deshalb fordern wir eine tragfähige Lösung im neuen RTVG,
die das leidige Thema definitiv vom Tisch bringt. Das will nicht heissen,
dass wir die von Ihnen angeführten Spezialsendungen über das
schweizerische Musikschaffen nicht würdigen. Diese Thematisierungen
werden von der Schweizer Musikszene geschätzt. Sie können
jedoch eine angemessene, auch Neuheiten einschliessende Berücksichtigung
im täglichen Musikprogramm bei weitem nicht ersetzen.
An den bisherigen Treffen zeichneten sich kaum verbindliche Lösungen
ab. Gemeinsam wäre beispielsweise zu klären, wie weit der
Kulturauftrag nicht nur im Informationsbereich, sondern eben auch in
der Musiksendezeit umgesetzt werden muss. Unsere Bereitschaft, darüber
und über andere Themen zu diskutieren, sei Ihnen versichert.
Mit freundlichen Grüssen
Verein «idée suisse - wir wollen taten hören»
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