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Editorial

Die Vernachlässigung der Schweizer Musik an unseren Radios hat Tradition. Seit Jahren ist ihr Anteil mickrig - sowohl an öffentlichen als auch privaten Stationen. Nirgends in Europa wird einheimischem Musikschaffen so wenig Beachtung geschenkt. Leider machen auch die Radiosender der gebührenfinanzierten, einem Kulturauftrag verpflichteten «SRG SSR» keine Ausnahme. Die Konsequenzen sind sowohl kulturpolitisch als auch wirtschaftlich problematisch. Entsprechend gross ist der Unmut der Schweizer Musikszene über die andauernde Radiomisere. Massnahmen wurden zwar oft und gerne diskutiert. Geändert hat sich bislang wenig, ausser dass sich die «SRG SSR» in der Zwischenzeit das wohlklingende Label «idée suisse» zugelegt hat.

Ist diese Etikette für ein öffentlich-rechtliches Radio, das im Schnitt unter zehn Prozent CH-Musik sendet, angebracht oder wird uns da schlicht und einfach eine Mogelpackung untergeschoben? Wer reichlich Konzessionsfranken einstreicht, muss auch Auflagen erfüllen. Unter dem Label "idée suisse - wir wollen taten hören" haben sich die wichtigsten Schweizer Musikverbände und Interessenvertreter zusammengetan - von volkstümlich, klassisch bis modern. Wir lassen nicht locker, bis Schweizer Musik in unseren Radioprogrammen angemessen beachtet wird. Die laufende Revision des Radio- und TV-Gesetzes (RTVG) scheint die richtige Gelegenheit, den Leistungsauftrag an das Radio zu präzisieren. Wir fordern einen Passus, der sinngemäss lautet: «Die SRG ist verpflichtet, schweizerisches Musikrepertoire während mindestens 20 Prozent der Musiksendezeit ihrer Radioprogramme zu senden.»

Unsere Forderung nach einer Musikquote mag auf den ersten Blick unsympathisch tönen. Die Quote hat jedoch den unbestreitbaren Vorteil, dass sie nichts kostet. Vielmehr belebt sie nachhaltig den heimischen Musikmarkt, wie in anderen Ländern längst erwiesen. Gerne glauben wir, dass es Alternativen zur Quote gibt. Gespräche mit der SRG haben den einen oder andern Ansatz zur Problemlösung aufgezeigt. Doch geht es nicht nur um Ansatzpunkte. Wir bezweifeln, dass Sondersendungen wie «CH-Special» oder die in Aussicht gestellten neuen Sendegefässe geeignet sind, die Misere zu beheben. Schweizer Musik soll nicht in wöchentliche Nischen oder monatliche Spezialsendungen verbannt werden. Sie soll dauern präsent sein!

Genug der Lippenbekenntnisse - wir wollen Taten hören. Das Schweizer Musikrepertoire gibt qualitativ und quantitativ genug her, um unsere Radioprogramme zu bereichern. Es befremdet doch sehr, wenn ausgerechnet das öffentlich-rechtliche Radio, das sich zusehends dem gesichtslosen Mainstream unterwirft, der Schweizer Musik pauschal die nötige Qualität abspricht, um angemessen berücksichtigt zu werden. Die Beschäftigung mit CH-Musik lohnt sich - auch für Radiomacher. Blättern Sie in dieser Zeitung und lassen Sie sich davon überzeugen!

«idée suisse - wir wollen taten hören» wird noch gebraucht. Spätestens in der Herbstsession, wenn die Revision des RTVG in den parlamentarischen Kammern beraten wird. Wir bleiben dran und rechnen weiterhin mit Eurer Unterstützung.

Herzlich Bruno Marty, Geschäftsleiter Action CH-Rock

 

 
   
   
   
   
 
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