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«Der Bund» 31.8.2002 Keine Rettung mehr vor dem Fernsehprogramm DRS 3 / Mit der aufmüpfigen Musiksendung "Sounds!" verschwindet
ein Radio-Bijou aus den UKW-Frequenzen, das die Musikinteressierten
dieses Landes nachhaltig vermissen werden. Ein emotionaler Abgesang. "Sounds!" zauberte Epochen der Freude in den Tag, in denen Radiohören zum Ereignis wurde, in denen Musik Information vermittelte, die Welt erklärte, Emotionen entfachte und nicht wie im herkömmlichen Radioprogramm bloss den Alltag zu berieseln trachtete. "Sounds!" war jeden Abend eine Wundertüte für den Radiohörer, der sich nicht mit musikalischen Floskeln zufrieden geben wollte, und es war Inspirationsquelle für sämtliche wegweisenden Musikschaffenden die-ses Landes. "Sounds!" hörte man sich nicht nur an, "Sounds!"
saugte man auf. Dabei wurden einem die Protagonisten der Sendung vertraut
wie Helden einer lieb gewonnenen Soap-Opera: Da waren der François
Mürner, der kurzweiligste Moderator in der Geschichte des Schweizer
Radios; der "Düsi" aus London, der einen mit den neuesten
Gerüchten aus London versorgte; der Kuno "Comics" Affolter,
der das Kunststück vollbrachte, einen über Radio die bizarrsten
Comics schmackhaft zu machen; der Urs Musfeld, dessen Musikauswahl stets
bedeutend besser war als jene von Christoph Schwegler; und da war der
"Fredy us Pieterle", der kraft einer raffinierten *** In einer Zeit, in der sich eine Subkultur zusammenbraute, an deren
Früchten sich die Musikwelt noch heute labt, fungierte "Sounds!"
als kundiger Berater und Wegweiser, dem man sich gerne anvertraute.
"Sounds!" begleitete die Schweiz in die Grotten des Punks,
tauchte mit ihr ab in die Gerade in den frühen Achtzigerjahren, als sich Musik abseits des berechenbaren Pops kaum in die Schweiz verirrte, war "Sounds!" oft der einzige Informationsquell für "die andere Musik". Es gab gerade Mal einen Plattenvertrieb (Rec-Rec) und eine Handvoll Spezialgeschäfte, in denen Tonkunst abseits des Mainstreams erhältlich war, und so bildete sich bald eine verschworene Gemeinde eingefleischter Vorabend-Radiohörer. **** "Sounds!" ist in dieser Woche zum letzten Mal über die UKW-Frequenz von DRS 3 gestrahlt, dem Sender, der gegründet worden war, um "Lärm" zu machen, bis ihr Chef Andreas Schefer auf die aparte Idee kam, diesen Lärm in das Format "Radio zum Glück" zu transponieren. Und in Schefers stomlinienförmiger Form des Glücks, in seiner
Auffassung von Radio als ein Medium, das ausschliesslich Gewohnheiten
bedienen soll, hat "Sounds!" verständlicherweise keinen
Platz mehr. Womöglich wird Herr Schefer mit seinem Kurs ähnlich
kläglich scheitern wie ein Entertainer, der seinen Lieblingswitz
pro Abend gleich mehrmals erzählt, weil er beim ersten |
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